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„Stille Nacht“ nach Punkten

17 Dezember 2016
Leichtes Format

Kunst-Aktion an Wiener Kirchenwand: Text der ersten Strophe in Blindenschrift

Über eine Seite der Kirche Am Schüttel im 2. Bezirk von Wien hängt ein großer Stoff. Auf dem sind schwarze Punkte zu sehen. Nur wer die Braille-Schrift, die Blinde ertasten, auch als Sehende oder Sehender lesen kann, kann das Muster erkennen. Es sind gedruckte Buchstaben der Blindenschrift. Und dann kann die erste Strophe des berühmten Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“ gelesen werden. Das Gedicht, das erst später Musik bekam, feiert heuer seinen 200. Geburtstag.
Der Künstler, der den großen Stoff gestaltet hat heißt Horst Ganitzer. Er wurde in Salzburg geboren so wie Joseph Moor, der das berühmte Gedicht „Stille Nacht, heilige Nacht“ erfunden hat. Ganitzer ist Lehrer an der Universität für Angewandte Kunst Wien und am Bundes-Blindeninstitut. Sein Gedanke zu der Aktion: Die Blindenschrift wurde bei „Stille Nacht in Punkten“ gewählt, weil sie nur für eine bestimmte Menschengruppe wichtig ist, um Bildung zu erlangen.
Die Teilverhüllung der Fassade der Pfarre am Schüttel mit der riesengroßen Darstellung des Textes in Brailleschrift kann von den meisten Betrachtern nicht gelesen werden. „Eine Umkehrung der Barrieren, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Es fehlen nur oft die Möglichkeiten und Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen.“
Allerdings können Blinde diese Zeilen auf der Fassaden-Verhüllung nicht lesen, es gibt bei der erklärenden Infotafel zu ebener Erd‘ auch weder den Text noch die Erklärung in echter Braille-Schrift, also zum Ertasten. Schade.
Ergänzung: In der Kirche selbst gibt es eine Erklärung in Braille-Schrift

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