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Erste Frau mit Kopftuch und schwarzem Gürtel in Österreich

20 März 2017
Leichtes Format

Fatima Hadžiavdić kommt aus Bosnien, ist 29 Jahre alt
und ist die erste Frau mit einem schwarzen Gürtel.
Den schwarzen Gürtel hat sie in der Kampfsport-Art Latar Do.
Sie unterrichtet in Wien Mädchen und Frauen
und bringt ihnen bei, sich zu verteidigen.
Fatima spricht fließend Deutsch, trägt einen weißen Kampf-Anzug,
einen schwarzen Gürtel und ein hellblaues Kopftuch.

Fatima spricht ruhig und leise.
Sie sagt, dass Kampfsport für sie vor allem
ein gutes Gefühl ist, weil sie weiß,
wie man sich wehren kann.
Man fühlt sich sicherer und ist selbstbewusster.
Sie sagt auch, dass sie im Notfall
die Schwachstellen eines Körpers kennt.
Aber einsetzen musste sie ihr Können noch nicht.

Aber manchmal ist Fatima sprachlos, zum Beispiel
wenn fremde Leute ihr sagen:
„Befrei dich doch!“ oder „Nimm es runter!“.
Damit ist das Kopftuch gemeint.
Sie sagt dazu: „Ich trage es, seit ich
mit dem Gymnasium begonnen habe.
Für mich war das eine ganz bewusste Entscheidung“.

Sie sagt auch, dass sie oft angestarrt wird.
Außerdem sagt sie: „Das ist wirklich nervig.
Und das ist in den vergangenen Jahren
wirklich schlimmer geworden.
Das merkt man ja auch in den Fernseh-Diskussionen.
Kopftuch zu tragen, bedeutet oft, ein Hassobjekt zu sein“.

Sie sagt auch, dass noch andere Vorurteile dazu kommen.
Zum Beispiel ziehen viele Menschen ihre Hunde weg.
Weil sie denken, dass Muslime ja keine Hunde mögen.
Dabei hatte Fatima selbst einen Hund.
Außerdem kommt es oft vor, dass die Apothekerin
ihr in Zeichensprache deutet,
wie oft sie die Medikamente nehmen soll.
Obwohl sie perfekt Deutsch kann.

Die 29-jährige Frau aus Bosnien schreibt sogar ihre Doktor-Arbeit.
Und gleichzeitig macht sie ein Studium in Bildungs-Wissenschaft.
Nebenbei spricht sie 5 Sprachen fließend.
Außer Deutsch und Bosnisch auch Englisch, Persisch und Arabisch.

Eigentlich wollte sie Sport-Wissenschaft studieren.
Sie sagt: „Aber da wäre das Kopftuch ein Problem gewesen“.
Jetzt will sie vielleicht Sozialarbeiterin
oder Heilpädagogin werden.
Übrigens ist sie auch Mutter von einem kleinen Mädchen.
Und in 2 Monaten bekommt sie ihr zweites Kind.
Trotzdem unterrichtet sie weiter
ihre Schülerinnen in Selbstverteidigung.
Auch von den Frauen und Mädchen,
die Sie unterrichtet haben viele ein Kopftuch.
Fatima will mit dem Training
die Persönlichkeit von ihren Schülerinnen stärken.

Die Zukunft macht ihr Sorgen.
Besonders, das viel besprochene Kopftuch-Verbot.
Sie sagt: „Ich weiß nicht, was ich tun werde,
wenn es kommt.
Wahrscheinlich auswandern“.
Aber daran will sie noch nicht denken.

Mehr Informationen zu der Kampf-Sportart Latar Do finden Sie unter diesem Link: http://www.latardo.com

Aus der Abteilung „einfache Sprache“ im Online-Kurier: www.kurier.at/einfache-sprache

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